2. Februar 2024
10,4 Minuten

Die „pinke“ Altersvorsorge

5. Ausgabe der Finanzexpert(-INNEN)

Altersvorsorge betrifft uns alle. Manche mehr, manche weniger, aber insbesondere Frauen sind von der Problematik der Altersarmut besonders betroffen, da sie mit spezifischeren Herausforderungen konfrontiert werden. Es ist daher umso wichtiger sich frühzeitig mit dem Thema der eigenen Versorgungslücke vom heutigen Einkommen zur späteren Rentenzahlung zu beschäftigen und privat vorzusorgen.

Die nachfolgenden Aspekte thematisieren, was es bei der Altersvorsorge für Frauen zu berücksichtigen gilt:

  • Längere Lebenserwartung: Frauen leben im Durchschnitt länger als Männer, was bedeutet, dass sie für einen längeren Ruhestand finanziell vorsorgen müssen​.
  • Unterbrechungen der Erwerbstätigkeit: Viele Frauen haben Unterbrechungen in ihrer Erwerbsbiografie, oft aufgrund von Erziehungszeiten oder der Pflege von Angehörigen. Dies führt zu geringeren Rentenansprüchen im Vergleich zu Männern​.
  • ​​Geringeres Einkommen: Frauen verdienen im Durchschnitt weniger als Männer, was sich in niedrigeren Rentenbeiträgen und somit einer geringeren gesetzlichen Rente niederschlägt​.
  • Rentenlücke und Altersarmut: Aufgrund der genannten Faktoren sind Frauen stärker von Altersarmut betroffen. Es ist daher entscheidend, dass sie sich frühzeitig und strategisch mit ihrer Altersvorsorge auseinandersetzen​.

Die Problematik der längeren Rentenbezugsdauer bei Frauen im Vergleich zu Männern ist ein anerkanntes Thema in Deutschland und statistische Daten zeigen, dass Frauen im Durchschnitt länger Rente beziehen als Männer. Im Jahr 2020 betrug die durchschnittliche Rentenbezugsdauer bei Männern in Westdeutschland 18,5 Jahre und bei Frauen 21,4 Jahre. In Ostdeutschland war dieser Unterschied noch ausgeprägter, mit 18,3 Jahren für Männer und 24,4 Jahren für Frauen.

Im Jahr 2018 beispielsweise erhielten Männer durchschnittlich 19,4 Jahre lang Altersrente, während Frauen durchschnittlich 23,1 Jahre lang Altersrente bezogen​.

Die aufgeführten Aspekte verdeutlichen wie wichtig es ist, sich zeitnah mit dem Thema der Schließung der Versorgungslücke im Rentenalter zu beschäftigen und dass das Ignorieren dieser Tatsachen das Überleben im Alter am Rande der Armut bedeuten kann, insofern keine präventiven Maßnahmen getroffen werden.

Wie kann das Altersarmutsrisiko vermindert werden

Welche Maßnahmen können unterstützend bei der Verhinderung der Altersarmut wirken:

  • Private Altersvorsorge: Es ist empfehlenswert verschiedene Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge in Betracht ziehen, wie z.B. Riester-Renten, betriebliche Altersvorsorge oder Fondssparen. Die Riester-Rente ist besonders für Frauen mit niedrigerem Einkommen oder in Teilzeit attraktiv, da sie von staatlichen Zulagen profitieren können. Hier sollte in jedem Fall jedoch vorher eine individuelle Betrachtung der persönlichen Versorgungslücke herangezogen werden, um zu beurteilen welche Lösung die individuell Beste ist.
  • ​​Eheverträge und unabhängige Vorsorge: Unabhängig vom Familienstand ist es für Frauen wichtig, ihre Altersvorsorge selbst in die Hand zu nehmen. Eheverträge können eine Option sein, um finanzielle Sicherheit im Falle einer Trennung zu gewährleisten​.
  • Anrechnung von Kindererziehungszeiten: Die gesetzliche Rentenversicherung berücksichtigt Kindererziehungszeiten, was Frauen zugutekommt, die sich um ihre Kinder kümmern und dadurch weniger in die Rentenkasse einzahlen​. Hierzu gehe ich noch genauer ein.
  • Diversifizierte Anlagestrategien: Frauen sollten in verschiedene Anlageformen investieren, um eine breitere finanzielle Absicherung zu erreichen. Dazu gehören beispielsweise Investmentfonds und andere Anlageoptionen, die eine breite Streuung des Kapitals ermöglichen​
  • Fondssparen: Frauen sollten auch private Vorsorgemodelle wie Fondssparpläne in Betracht ziehen. Diese ermöglichen es, regelmäßig kleinere Beträge in Investmentfonds zu investieren, was über lange Zeiträume zu einer höheren Rendite führen kann​
  • Unabhängige Vorsorge: Es wird empfohlen, dass Frauen unabhängig von ihrem Familienstand ihre eigene Altersvorsorge betreiben.

Alles in allem gilt der Grundsatz des frühzeitigen Handelns, denn es ist nie zu spät, mit der Altersvorsorge zu beginnen. Je früher Frauen damit anfangen, desto besser können sie für ihren Ruhestand vorsorgen und sich finanziell auch im Alter absichern, so kann eben auch erfolgreicher von Zinseszinseffekt profitiert und eine angemessene Altersrente aufgebaut werden.

Dies habe ich bereits in meinem Leitfaden für mutige Anlegerinnen bereits erwähnt, denn der erste Euro ist der Wertvollste.

Leitfaden für mutige Anlegerinnen

Vom Ablauf her empfiehlt sich:

  1. zuerst Schulden abzubauen,
  2. dann Notreserven anzulegen,
  3. sich gegen existenzielle Risiken abzusichern und
  4. dann mit der privaten Altersvorsorge zu beginnen​.

Die vorgeschlagenen Lösungen für Frauen, die nach Altersvorsorgeoptionen suchen, unterscheiden sich oft von denen für Männer, hauptsächlich aufgrund der spezifischen Herausforderungen, denen Frauen gegenüberstehen.

Zusammenfassend liegt der Fokus bei der Altersvorsorge für Frauen auf der Anpassung an ihre spezifischen Lebensumstände, wie längere Lebenserwartung, Kindererziehungszeiten und teilweise Erwerbsbiografien mit Unterbrechungen. Diese Faktoren erfordern oft andere Vorsorgestrategien als bei Männern.

Welche Faktoren sind wichtig bei der Auswahl der richtigen Strategie

Bei der Auswahl geeigneter Vorsorgeprodukte sollte man daher auf Faktoren, die sich aus den spezifischen Bedürfnissen und Umständen ergeben, achten:

  • Renditeerwartung & Risikobereitschaft: Wie viel Risiko möchten Sie eingehen und welche Rendite erwarten Sie? Grundsätzlich kann die Risikobereitschaft bei langfristigen Sparplänen größer 10 Jahren, angepasst werden, um von dynamischeren Anlagen zu profitieren.
  • Kosten & Gebühren: Achten Sie auf die Kostenstruktur von Anlageprodukten, wie Verwaltungsgebühren oder Ausgabeaufschläge und bevorzugen Sie kostengünstigere Optionen, um die Gesamtrendite ihrer Investitionen zu maximieren. Es gilt somit, je attraktiver und fairer die Kosten, je mehr Ertrag verbleibt beim Anleger.
  • Langfristige Planung: Bei der Altersvorsorge geht es um Langfristigkeit. Suchen Sie daher nach Produkten, die eine stabile und kontinuierliche Rendite über einen längeren Zeitraum bieten.
  • Steuerliche Aspekte: Steuervorteile spielen oft eine wichtige Rolle bei der Entscheidungsfindung.

Jeder Anleger, unabhängig vom Geschlecht, sollte Anlageentscheidungen basierend auf den eigenen finanziellen Zielen, der Risikotoleranz und der persönlichen Situation treffen.

Dennoch sind die ausgeführten Auswahlkriterien insbesondere für Frauen, die statistisch gesehen länger Rente beziehen müssen, gute Anhaltspunkte, die als Entscheidungshilfe geeigneter Produktlösungen berücksichtigt werden sollte.

Welche Altersvorsorgeprodukte gibt es?

Es gibt eine Vielzahl von Altersvorsorgeprodukten, die auf finanzielle Sicherheit im Ruhestand abzielen. Die Auswahl des richtigen Produkts hängt dabei aber immer von den individuellen Faktoren wie Risikotoleranz, finanziellen Zielen und persönlichen Umständen ab.

Hier sind einige gängige Arten von Altersvorsorgeprodukten:

  1. Gesetzliche Rente: Dies ist die staatliche Rentenversicherung, die in vielen Ländern existiert. Sie wird durch Beiträge der Erwerbstätigen finanziert und bietet eine Grundversorgung im Alter. Wichtig: Diese wird aller Wahrscheinlichkeit nicht ausreichen!
  2. Betriebliche Altersvorsorge: Viele Arbeitgeber bieten betriebliche Altersvorsorgepläne an. Diese können entweder durch den Arbeitgeber finanziert, durch Entgeltumwandlung des Arbeitnehmers oder durch eine Kombination aus beidem beitragspflichtig sein.
  3. Riester-Rente: Ist eine in Deutschland staatlich geförderte Altersvorsorge, die vor allem für Angestellte und bestimmte Selbstständige interessant, aber auch häufig mit hohen Gebühren aufgrund der Kapitalgarantie verbunden, ist. Sie bietet Steuervorteile und Zulagen. Wichtig: Hier gilt es, das zu versteuernde Jahreseinkommen zu berücksichtigen sowie die familiäre Situation.
  4. Rürup-Rente (Basisrente): Diese eignet sich insbesondere für Selbstständige. Sie bietet steuerliche Vorteile und eine lebenslange Rentenzahlung. Wichtig: Auch hier gilt die individuelle Berechnungsgrundlage zu beachten. Die Rürup-Rente ist zudem wie die gesetzliche Rente zu betrachten und ist daher nicht flexibel in Ihrer späteren Verfügbarkeit im Rentenalter.
  5. Private Rentenversicherung: Eine Versicherung, die in der Regel eine lebenslange Rente oder eine Kapitalauszahlung bei Rentenbeginn bietet. Sie kann flexibel gestaltet werden und umfasst oft verschiedene Anlageoptionen. Hier gibt es sowohl klassische als auch fondgebundenen Anlageformen. Wichtig: Diese Form der Altersvorsorge ist voll steuerpflichtig im Rentenalter
  6. Investmentfonds und ETFs: Diese ermöglichen eine Anlage in Aktien, Anleihen oder anderen Wertpapieren und eignen sich, durch ihre Diversifikation, für langfristige Sparziele wie die Altersvorsorge.
  7. Immobilien als Kapitalanlage: Der Erwerb von Immobilien kann ebenfalls als Form der Altersvorsorge dienen, sei es durch Wertsteigerung oder Mieteinnahmen.
  8. Edelmetalle und andere Sachwerte: Einige Menschen wählen auch physische Investitionen wie Gold oder Immobilien als Teil ihrer Altersvorsorge. Wichtig: Gold zahlt keine Zinsen

Anrechnung von Erziehungszeiten als wichtiger Bestandteil

Die Anrechnung von Erziehungszeiten ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Rentenberechnung in vielen Ländern, insbesondere in Deutschland.

Unter Erziehungszeiten versteht man die Zeiträume, in denen eine Person die Erziehung eines Kindes übernimmt und deshalb möglicherweise nicht oder nur teilweise erwerbstätig ist. Diese Zeiten werden im Rahmen der gesetzlichen Rentenversicherung berücksichtigt, um sicherzustellen, dass die Rentenansprüche dieser Personen nicht benachteiligt werden.

Die Auswirkungen der Anrechnung von Erziehungszeiten sind:

  1. Erhöhung der Rentenansprüche: Für jeden Monat der Kindererziehung werden Rentenbeiträge angerechnet, als hätte die erziehende Person ein Durchschnittseinkommen erzielt. Dies führt zu höheren Rentenpunkten und somit zu einem höheren Rentenanspruch.
  2. Verringerung von Rentenlücken: Da Erziehungszeiten als Beitragszeiten gelten, helfen sie, Lücken in der Rentenbiografie zu schließen, die entstehen können, wenn Personen wegen der Kinderbetreuung ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen oder reduzieren.
  3. Berücksichtigung von Kindererziehungszeiten im Versorgungsausgleich: Bei einer Scheidung werden diese Zeiten im Rahmen des Versorgungsausgleichs zwischen den Ehepartnern berücksichtigt.

In Deutschland beispielsweise werden für jedes Kind, das nach 1992 geboren wurde, drei Jahre Erziehungszeit angerechnet. Für Kinder, die vor 1992 geboren wurden, wird ein Jahr angerechnet. Diese Regelungen können sich jedoch von Land zu Land unterscheiden.

Die Anrechnung von Erziehungszeiten ist ein wichtiges Instrument zur Anerkennung der Familienarbeit und trägt dazu bei, die finanzielle Sicherheit insbesondere von Müttern im Alter zu verbessern.

Wie viel für die Altersvorsorge sparen

Die Frage, wie viel man monatlich für die Altersvorsorge sparen sollte, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie dem Alter, in dem man mit dem Sparen beginnt, dem gewünschten Lebensstandard im Ruhestand, der erwarteten Rente und anderen persönlichen finanziellen Zielen. Es gibt keine allgemeingültige Regel, aber es gibt einige Richtlinien, die als Anhaltspunkt dienen können:

  • Faustregel: Eine gängige Empfehlung ist, rund 10-20% des Bruttoeinkommens für die Altersvorsorge zurückzulegen. Diese Zahl kann variieren, je nachdem, wann man mit dem Sparen beginnt und welchen Lebensstandard man im Alter anstrebt.
  • Individuelle Faktoren: Berücksichtigen Sie individuelle Faktoren wie Ihr Alter, Ihr aktuelles Einkommen, Ihre Sparziele und Ihre Risikobereitschaft. Jüngere Menschen haben beispielsweise einen längeren Anlagehorizont, was bedeutet, dass sie möglicherweise mit einem geringeren Prozentsatz beginnen und diesen im Laufe der Zeit erhöhen können.
  • Inflation und Renditeerwartungen: Denken Sie an die Inflation und die erwartete Rendite Ihrer Investitionen. Ihre Sparquote sollte hoch genug sein, um die Kaufkraft Ihres Geldes über die Jahre zu erhalten und zu steigern.
  • Rentenlücke: Ermitteln Sie Ihre voraussichtliche Rentenlücke, also den Unterschied zwischen Ihrem gewünschten Einkommen im Ruhestand und der erwarteten gesetzlichen Rente. Dies kann Ihnen helfen, den benötigten Sparbetrag genauer zu bestimmen.
  • Finanzielle Flexibilität: Es ist wichtig, eine Balance zu finden, die es Ihnen ermöglicht, für das Alter zu sparen, ohne dabei Ihre aktuelle Lebensqualität zu beeinträchtigen.
  • Beratung durch Finanzexperten: Eine individuelle Beratung durch eine Finanzexpertin kann wertvoll sein, um eine auf Ihre persönlichen Umstände zugeschnittene Sparstrategie zu entwickeln.

Zusammenfassung

Es ist ratsam, regelmäßig Ihre Sparziele zu überprüfen und anzupassen, insbesondere bei Veränderungen in Ihrem Leben wie Karrierewechseln, Familiengründung oder Erwerb von Immobilien.

Dieser Artikel dient als Leitfaden, Frauen zu ermächtigen, informierte Entscheidungen über ihre Altersvorsorge zu treffen, und stellt die Grundlage für eine finanziell sichere Zukunft dar.

Diese Diskrepanz in der Rentenbezugsdauer zwischen Männern und Frauen wirft ebenfalls bereits Fragen bezüglich der Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit der Rentenversicherungssysteme auf. Sie zeigt auch, wie wichtig es ist, spezifische Strategien für die Altersvorsorge von Frauen zu entwickeln, um finanzielle Sicherheit im Alter zu gewährleisten und dass es wichtig ist vor dem Thema nicht die Augen zu verschließen und zu warten bis es vielleicht zu spät ist.

Wir weisen an dieser Stelle darauf hin, dass wir keine Beratung zu klassischen Versicherungsprodukten durchführen. Wir stehen Ihnen jedoch gerne zur Seite, insofern Sie Fragen zu den langfristigen Vermögensaufbaumodellen, den Eigenschaften von Wertpapieranlagen haben, oder Sie Informationen zu einer möglichen Vermögensanlage haben, insofern bereits bestehende Versicherungen in die Rückzahlung gelangt sind.

Werden auch SIE Finanzexpertin über Ihr Vermögen, denn Finanzen gehen uns alle etwas an.

Für Fragen oder einem kostenlosen Informationsgespräch stehen wir Ihnen gerne jederzeit zur Verfügung.

Janine Kurzrock, Finanzexpertin bei Mademann & Kollegen GmbH

Quellenangabe:

  1. Bundeszentrale für politische Bildung. (2022, 20. Dezember). Gesetzliche Rentenversicherung, Bezugsdauer in Jahren, Versichertenrenten, nach Geschlecht, 1960 bis 2020. Die soziale Situation in Deutschland. https://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61753/rentenbezugsdauer
  2. Deutsches Institut für Altersvorsorge. (o.D.). Rentenbezugsdauer steigt – besonders bei Frauen. DIA Altersvorsorge. https://www.dia-vorsorge.de/themen/rentenbezugsdauer-steigt-besonders-bei-frauen