Marktkommentar 02/2026
Zwischen Zuversicht und Realität – ein differenzierter Jahresauftakt
Der Übergang in das neue Börsenjahr verlief insgesamt konstruktiv, allerdings ohne den klaren Richtungsimpuls, den sich viele Marktteilnehmer nach dem volatilen Jahr 2025 erhofft hatten. Während die Kapitalmärkte in weiten Teilen freundlich in das Jahr starteten, blieb das wirtschaftliche und politische Umfeld komplex – und lieferte bereits im Januar neue Facetten für die Einordnung.
Wie bereits in unserer letzten Ausgabe skizziert, geht das Börsenjahr 2026 mit einem vergleichsweise stabilen makroökonomischen Fundament an den Start. Gleichzeitig hat sich bestätigt, dass regionale Unterschiede, politische Rahmenbedingungen und sektorale Entwicklungen stärker denn je auseinanderlaufen.
Aktienmärkte: freundlicher Start, selektive Dynamik
An den internationalen Aktienmärkten überwog im Januar zunächst eine positive Grundstimmung. In den USA erreichten große Indizes neue Höchststände, getragen von robusten Unternehmensgewinnen und der anhaltenden Zuversicht in strukturelle Wachstumsthemen wie Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und Automatisierung. Die zuletzt intensiv diskutierte Frage einer möglichen Überbewertung einzelner Technologiewerte hat sich dabei nicht aufgelöst, aber differenziert: Während hoch bewertete Titel weiterhin schwankungsanfällig blieben, bestätigten viele Unternehmen ihre operative Stärke.
In Europa zeigte sich ein ähnliches Bild. Trotz verhaltener Konjunkturdaten entwickelten sich die Aktienmärkte insgesamt stabil. Der Jahresauftakt unterstrich erneut, dass Börsen und Realwirtschaft nicht zwangsläufig synchron verlaufen. Internationale Umsatzstrukturen, Kostendisziplin und eine verbesserte Margenentwicklung stützten viele europäische Unternehmen – auch vor dem Hintergrund eines schwächeren Euro.
Gleichzeitig wurde bereits im Januar deutlich, dass das Marktumfeld selektiver wird. Politische Eingriffe, insbesondere in regulierten Sektoren, führten punktuell zu kräftigen Kursreaktionen. Dies unterstreicht, wie wichtig eine breite Diversifikation und eine sorgfältige Titelauswahl bleiben.
Rentenmärkte und Geldpolitik: Stabilisierung auf höherem Niveau
Nach den deutlichen Anpassungen der vergangenen Jahre bestätigte sich im Januar die Erwartung eines stabileren, aber anspruchsvollen Zinsumfelds. Die großen Notenbanken agieren weiterhin vorsichtig und datenabhängig. Zinssenkungsfantasien traten zu Jahresbeginn etwas in den Hintergrund, ohne jedoch vollständig vom Tisch zu sein.
In der Eurozone signalisiert die Europäische Zentralbank, dass sie die Fortschritte bei der Inflation anerkennt, gleichzeitig aber keine überstürzten Schritte plant. Die Inflationsraten bewegen sich näher an den Zielwerten, doch insbesondere Lohnentwicklungen und geopolitische Risiken bleiben relevante Unsicherheitsfaktoren.
An den Anleihemärkten führte dies zu einer Phase relativer Beruhigung. Renditen schwankten, ohne neue Extrempunkte zu markieren.
Unternehmensanleihen zeigten sich weiterhin robust, insbesondere im Investment-Grade-Bereich. Die Attraktivität laufender Erträge bleibt damit ein wichtiger Baustein in der strategischen Vermögensstruktur.
Konjunktur: verhaltener Ausblick, robuste Teilbereiche
Die konjunkturellen Signale zum Jahresbeginn fielen gemischt aus. In Deutschland und Teilen Europas bleibt das Wachstum gedämpft. Stimmungsindikatoren zeigten keine klare Trendwende, sondern eher eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau. Gleichzeitig erwies sich der Arbeitsmarkt weiterhin als vergleichsweise widerstandsfähig.
International bleibt die Lage differenziert
Die US-Wirtschaft präsentiert sich insgesamt robust, getragen von Konsum und Investitionen. China entwickelt sich stabilisierend, jedoch ohne frühere Wachstumsdynamik. Schwellenländer profitieren punktuell von einer stabileren globalen Nachfrage, bleiben aber stark von regionalen Faktoren abhängig.
Für die Kapitalmärkte bedeutet dies: Das globale Umfeld liefert keinen kräftigen Rückenwind, aber auch keinen klaren Gegenwind. Vielmehr bleibt die Fähigkeit einzelner Unternehmen, sich anzupassen und strukturelle Trends zu nutzen, entscheidend.
Rohstoffe, Währungen und Gold: Sicherheitsaspekte gewinnen an Bedeutung

Im bisherigen Jahresverlauf dominierte beim wichtigsten Edelmetall ein starkes Aufwärtsmomentum. Nach der Rally im Januar erreichte der Goldpreis mehrfach neue historische Höchststände und durchbrach zum ersten Mal die Marke von mehr als 5.500 USD je Feinunze und markierte bei 5595 USD je Feinunze sein neuer Höchststand, bevor er in der vergangenen Woche eine bemerkenswerte Korrektur vollzog. Als Grund wird aktuell die Bekanntgabe von Trump für den neuen FED-Vorsitz genannt. Mit Kevin Warsh wurde eine Person nominiert, der bereits früher ein FED-Gouverneur war und der Markt geht aktuell nicht mehr von der bisher eingepreisten sehr lockeren Geldpolitik aus. Somit wurde die Erwartung von mehreren Zinssenkungen wieder ausgepreist wodurch es zu einer Korrektur bei Gold und Silber kam.
Nicht desto trotz behält Gold seine Rolle als stabilisierender Baustein, insbesondere im Kontext globaler Risiken und eines weiterhin fragmentierten geopolitischen Umfelds. Kurzfristige Schwankungen werden auch künftig auftreten, doch die nüchterne Betrachtung zeigt, dass Fundamentaldaten — geopolitische Risiken, Inflations- und Zinsdynamik — weiterhin den Rahmen für langfristige Positionierungen setzen.
Politik & Geopolitik: Venezuela und neue transatlantische Spannungsfelder
Zu Jahresbeginn rückten geopolitische Themen erneut in den Fokus der Märkte, ohne jedoch unmittelbare Schockreaktionen auszulösen. Anfang Januar sorgten insbesondere die Entwicklungen in Venezuela für internationale Aufmerksamkeit. Nach dem Eingreifen der USA und dem anschließenden Machtwechsel leitete Washington Gespräche über eine politische Übergangsphase sowie eine schrittweise wirtschaftliche Stabilisierung ein. Parallel dazu wurden erste Lockerungen im Energiesektor signalisiert, was die Perspektive venezolanischer Ölexporte wieder auf die Agenda der Rohstoffmärkte brachte.
Für die Kapitalmärkte stand dabei weniger die politische Dimension im Vordergrund als vielmehr die Frage, ob sich mittelfristig zusätzliches Angebot am globalen Ölmarkt ergeben könnte. Kurzfristig blieb der Einfluss jedoch begrenzt, da der Übergangsprozess politisch fragil bleibt und strukturelle Probleme des Landes fortbestehen.
Ebenfalls für Aufmerksamkeit sorgten im Januar erneute Äußerungen von US-Präsident Trump zur strategischen Bedeutung Grönlands. Die zugespitzte Rhetorik führte vorübergehend zu Irritationen im transatlantischen Verhältnis und spitze sich in Androhung von Zöllen zu, wurde jedoch im weiteren Verlauf durch diplomatische Gespräche in Davos entschärft. Inzwischen deutet sich an, dass der Fokus weniger auf territorialen Fragen liegt, sondern vielmehr auf sicherheitspolitischer Zusammenarbeit und dem Zugang zu strategisch relevanten Ressourcen.

KI generiert
In der Gesamtschau unterstreichen beide Themen, dass geopolitische Fragen weiterhin präsent bleiben, sich aber zunehmend in kontrollierten Bahnen bewegen. Für die Märkte bedeutet dies ein Umfeld erhöhter Aufmerksamkeit, jedoch ohne unmittelbare Eskalationsdynamik. Vielmehr werden politische Risiken selektiv eingepreist und verstärken den Trend zu einer differenzierten Betrachtung von Regionen, Sektoren und Anlageklassen.
Ausblick: Differenzierung statt Richtungssuche
Der Januar 2026 hat bestätigt, was sich bereits zum Jahresende 2025 abzeichnete: Die Kapitalmärkte bewegen sich in einem Umfeld ohne klare Einbahnstraße. Weder Euphorie noch Krisenstimmung dominieren. Stattdessen rücken Qualität, Substanz und langfristige Trends stärker in den Vordergrund.
Für den weiteren Jahresverlauf bleibt entscheidend, wie sich Inflation, Geldpolitik und geopolitische Rahmenbedingungen entwickeln. Kurzfristige Schwankungen sind dabei nicht auszuschließen. Langfristig jedoch bleibt ein disziplinierter, breit diversifizierter Ansatz der verlässlichste Begleiter in einem zunehmend fragmentierten Marktumfeld.
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