Marktkommentar 05/2026
Wohin entwickelt sich der Ölpreis
Das weiterhin beherrschende Thema an den Märkten ist ohne Frage alles rund um den Iran-Konflikt und insbesondere die Situation in der Straße von Hormus. Die zentrale Frage bleibt: Ist sie offen, ist sie geschlossen, gibt es überhaupt Minen oder ist im Grunde noch gar nichts passiert? Ebenso unklar ist, wer aktuell eigentlich die Kontrolle ausübt, wer entscheidet, welche Schiffe passieren dürfen und welche möglicherweise „unter dem Radar“ unterwegs sind, indem sämtliche Technik abgeschaltet wird.
Diese Unsicherheiten spiegeln sich unmittelbar in den Reaktionen am Ölmarkt wider. Positive Nachrichten, etwa über eine mögliche Öffnung der Straße, führen zu sinkenden Ölpreisen. Gegenteilige Entwicklungen lassen die Preise entsprechend ansteigen.

KI generiert
OPEC Austritt angekündigt
Zusätzlich sorgt eine weitere Entwicklung am Ölmarkt für neue Dynamik: Die Vereinigten Arabischen Emirate haben angekündigt, zum 1. Mai aus der OPEC sowie dem erweiterten Verbund OPEC+ auszutreten. Dieser Schritt kommt mitten in der aktuellen geopolitischen Eskalation und unterstreicht die zunehmenden Spannungen innerhalb der Förderländer. Die Entscheidung schwächt das Kartell strukturell und stellt insbesondere die bisher dominante Rolle Saudi-Arabiens infrage. Gleichzeitig eröffnet sie den Emiraten die Möglichkeit, ihre Förderpolitik künftig unabhängiger zu gestalten, was perspektivisch zu einem höheren Angebot am Ölmarkt führen könnte.
Für die Märkte bedeutet das: Neben der ohnehin hohen Unsicherheit durch den Konflikt rund um die Straße von Hormus kommt nun auch Bewegung in die Angebotsseite des Ölmarktes und somit ein zusätzlicher Faktor, der die Preisentwicklung künftig maßgeblich beeinflussen dürfte.
Märkte preisen begrenzte Eskalation ein
Aktuell scheint die Situation an den Märkten so, dass es keine weitere oder deutlich stärkere Eskalation geben wird. Dazu passen auch die Signale sowohl aus den Vereinigten Staaten als auch aus dem Iran, die grundsätzlich auf eine diplomatische und politische Lösung hindeuten.
Natürlich handelt es sich hierbei um ein klassisches Abtasten beider Seiten, sprich wer macht den ersten Schritt, wer gibt nach, und wer schafft es, ein Angebot zu formulieren, dass für die Gegenseite schwer abzulehnen ist.
US-Märkte mit neuen Höchstständen trotz Krise
Ein Blick in die Vereinigten Staaten zeigt ein überraschendes Bild. Trotz der geopolitischen Lage konnten im April in verschiedenen Indizes neue Höchststände verzeichnet werden.
Das wirkt zunächst widersprüchlich, lässt sich jedoch unter anderem dadurch erklären, dass die USA energetisch weitgehend unabhängig sind und geografisch deutlich entfernt vom Konfliktgeschehen liegen.
Politischer Druck auf Trump wächst
Gleichzeitig wird der politische Druck auf Donald Trump zunehmend größer. Mit Blick auf die anstehenden Midterm-Wahlen am 3. November, bei denen sowohl der Senat als auch der Kongress neu gewählt werden, benötigt er zeitnah eine Lösung, die er als politischen Erfolg darstellen kann.
Seine aktuellen Zustimmungswerte bewegen sich nahe historischer Tiefstände. Sollte er bei den Wahlen die Mehrheit im Senat oder im Kongress verlieren, würde das seine politische Handlungsfähigkeit deutlich einschränken und das Regieren spürbar erschweren.
In diesem Zusammenhang taucht auch immer wieder das Thema Impeachment auf. Also ein mögliches Amtsenthebungsverfahren. Zwar ist eine tatsächliche Absetzung eines Präsidenten nicht einfach, jedoch bringt bereits das Verfahren selbst erhebliche politische und persönliche Belastungen mit sich.
Darüber hinaus würde der Verlust politischer Mehrheiten dazu führen, dass viele Vorhaben nicht mehr wie bisher durchgesetzt werden können. Zwar besteht weiterhin die Möglichkeit, Maßnahmen per Dekret anzustoßen, jedoch hat sich bereits gezeigt, dass auch diese durch den Obersten Gerichtshof wieder aufgehoben werden können, insbesondere beim Thema Zölle.
Berichtssaison: USA stark, Europa unter Druck
Parallel dazu befinden wir uns mitten in der Berichtssaison. In den Vereinigten Staaten fallen die Ergebnisse bislang insgesamt solide aus.
Insbesondere die Berichtssaison der großen US-Technologiekonzerne zeichnet ein klares Bild: Operativ präsentieren sich Alphabet, Microsoft, Amazon und Meta weiterhin in bemerkenswert starker Verfassung. Getrieben wird das Wachstum vor allem durch das Cloud-Geschäft und die zunehmende Monetarisierung von KI-Anwendungen. Gleichzeitig bleiben auch die klassischen Kerngeschäfte stabil – sei es im Werbemarkt bei Alphabet und Meta, im Softwarebereich bei Microsoft oder im E-Commerce bei Amazon. Umsatz- und Ergebniszahlen konnten überwiegend überzeugen und unterstreichen die weiterhin dominante Marktstellung dieser Unternehmen.
Gute Zahlen reichen nicht
Dennoch fällt die Reaktion der Kapitalmärkte deutlich differenzierter aus als noch in früheren Quartalen. Gute Zahlen allein reichen nicht mehr aus, um neue Kursimpulse zu setzen. Der Blick der Investoren richtet sich zunehmend auf einen anderen entscheidenden Faktor: die Höhe und Nachhaltigkeit der Investitionen in den Ausbau der KI-Infrastruktur. Sämtliche Konzerne erhöhen ihre Ausgaben für Rechenzentren, Chips und technologische Kapazitäten teils deutlich, was kurzfristig auf die Profitabilität drückt.
Vor diesem Hintergrund verschiebt sich der Fokus weg von reinem Wachstum hin zur Qualität und Nachhaltigkeit der Erträge. Anleger hinterfragen stärker, wie belastbar die Gewinne tatsächlich sind und in welchem Tempo sich die hohen Investitionen in zusätzliche Erträge übersetzen lassen. Einzelne Sondereffekte wie Beteiligungsgewinne werden dabei kritischer betrachtet als noch vor einigen Quartalen.
Steht die Branche am Wendepunkt
Unterm Strich bleibt festzuhalten: Die großen Technologiekonzerne liefern weiterhin überzeugende operative Ergebnisse und profitieren maßgeblich vom KI-Boom. Gleichzeitig steht die Branche an einem Wendepunkt, an dem sich zeigen muss, ob die enormen Investitionen in Zukunftstechnologien nicht nur Wachstum, sondern auch nachhaltig steigende Renditen generieren können. Genau diese Balance zwischen Dynamik und Kapitaldisziplin dürfte in den kommenden Quartalen zum entscheidenden Bewertungsfaktor für die Aktienkurse werden.
In Europa und insbesondere in Deutschland zeigt sich die Stimmung eher zurückhaltend. Die Stimmung ist spürbar eingetrübt, und viele Unternehmen agieren vorsichtiger.
Einige DAX-Konzerne haben ihre Gewinnerwartungen bereits nach unten angepasst. Gründe hierfür sind unter anderem die geopolitische Lage, mögliche Einschränkungen im Handel sowie steigende Energiepreise und zunehmende Knappheiten.
Zinsen und Zentralbanken im Fokus
Ein weiterer zentraler Punkt bleibt die Geldpolitik. Sowohl bei der US-Notenbank (Fed) als auch bei der Europäischen Zentralbank standen Ende des Monats die nächsten Sitzungen an.
Die US-Notenbank hat den Leitzins wie erwartet unverändert belassen und damit vorerst an ihrem abwartenden Kurs festgehalten. In ihrer Kommunikation betonte die Fed zwar weiterhin die Robustheit des Arbeitsmarktes, verwies jedoch gleichzeitig auf anhaltende Inflationsrisiken, insbesondere im Zusammenhang mit Zöllen und gestiegenen Energiepreisen. Für Aufmerksamkeit sorgte vor allem die ungewöhnlich hohe Zahl an Gegenstimmen innerhalb des Offenmarktausschusses: Gleich vier der zwölf stimmberechtigten Mitglieder wichen vom Konsens ab. Während drei von ihnen die Zinshöhe zwar mittrugen, sich jedoch gegen die Formulierung möglicher zukünftiger Zinssenkungen stellten, votierte lediglich ein Mitglied erneut explizit für eine sofortige Zinssenkung.
Die Märkte interpretierten diese Signale als klar restriktiver als bislang angenommen. Entsprechend wurden Erwartungen an Zinssenkungen deutlich zurückgenommen, insbesondere für das Jahr 2026. Dies spiegelte sich auch in den Kapitalmärkten wider: Die Renditen von US-Staatsanleihen zogen an, während der US-Dollar gegenüber dem Euro an Stärke gewann. Unterstützt wurde dieser Trend zusätzlich durch die parallel gestiegenen Ölpreise, die die Inflationssorgen weiter verstärkten.
Auch personell steht die Notenbank vor einem Übergang. Die Sitzung markierte den vorerst letzten Auftritt von Jerome Powell als Fed-Vorsitzender, während sein designierter Nachfolger Kevin Warsh bereits die Zustimmung des US-Senats erhalten hat. Powell selbst wird der Notenbank jedoch weiterhin als Gouverneur erhalten bleiben und kündigte an, den Führungswechsel unterstützend zu begleiten. Insgesamt zeigt sich damit ein geldpolitisches Umfeld, das kurzfristig wenig Spielraum für Lockerungen lässt und in dem Inflationsrisiken weiterhin das zentrale Thema bleiben.
Am heutigen Mittag kam dann auch noch die Meldung der EZB: Die Europäische Zentralbank hat ihre Leitzinsen ebenfalls unverändert belassen. Der für Sparer wichtige Einlagensatz beträgt weiterhin 2,0 %. Diese Entscheidung wurde durch die Marktteilnehmer erwartet. Bereits auf ihren beiden vorherigen Sitzungen Ende Januar und Mitte März hatte die Notenbank die Leitzinsen nicht angetastet, betont in der heutigen Sitzung jedoch, dass sie durch den Krieg im Iran steigende Aufwärtsrisiken für die Inflation und zunehmende Abwärtsrisiken für das Wachstum sieht und sich deswegen auf keinen Zinspfad festlegt.
Einordnung für Anleger: Diversifikation zahlt sich aus
Für uns und unsere Kunden zeigt sich in dieser Phase einmal mehr, wie wichtig eine breite Diversifikation ist. Die Streuung über verschiedene Branchen, Regionen und Anlageklassen hat sich auch in dieser unruhigen Marktphase als stabilisierend erwiesen.
Für den weiteren Verlauf gilt jedoch: Die Unsicherheit bleibt hoch. Die Entwicklung der Märkte gleicht aktuell mehr denn je, einem Blick in die Glaskugel. Jede neue Nachricht kann kurzfristig in beide Richtungen wirken.
Gleichzeitig zeigt sich ein klarer Grundton: Sobald positive Nachrichten eintreffen, reagieren die Märkte schnell nach oben. Ein wesentlicher Treiber hierfür ist die weiterhin hohe Liquidität, denn viel Kapital befindet sich nach wie vor an der Seitenlinie und wartet darauf, investiert zu werden.
Haben Sie Fragen, Anregungen und/oder auch Wünsche, sprechen Sie uns gerne an. Wir freuen uns auf Ihr Feedback.
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Ihr Team von Mademann & Kollegen

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